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Teuer verkauft – Anpfiff Hoffenheim bei der Deutschen Sitzvolleyball-Meisterschaft

24.10.2018

Teuer verkauft – Anpfiff Hoffenheim bei der Deutschen Sitzvolleyball-Meisterschaft

Für ein paar Sekunden ist es still in einer der vielen Spielhallen des Berliner Max-Schmeling-Sportzentrums. Die vielen Zuschauer rund um das Feld erwarten mit Spannung, wer die Nerven behalten wird und abgebrühter agiert. Auf dem Feld sitzen sich im Spiel um Platz 5 das Team von Anpfiff Hoffenheim I und BV Leipzig gegenüber. Es steht 30:30 im ersten Satz - und es geht um die beste Platzierung bei Deutschen Sitzvolleyball-Meisterschaften für ein „Anpfiff“-Team überhaupt.

Am 13. und 14. Oktober 2018 war Berlin Austragungsort der „Deutschen Meisterschaften Sitzvolleyball 2018“, für die sich zehn Teams qualifiziert hatten. Erstmals seit der Gründung des Vereins „Anpfiff Hoffenheim e.V.“ im Jahr 2015 war die Abteilung gleich mit zwei Teams qualifiziert. Der Turnierauftakt in der Vorrundengruppe A war für Anpfiff Hoffenheim II äußerst schwer, musste das Team zuerst gegen den amtierenden Deutschen Meister, TSV Bayer 04 Leverkusen I, spielen und hatte danach den Drittplatzierten der Deutschen Meisterschaften aus 2017, den Ausrichter SCC Berlin I, als Gegner. Dazu kamen mit dem BV Leipzig und HSV Medizin Magdeburg noch zwei weitere spielstarke Gegner.

Für fast alle Spieler vom Team Anpfiff Hoffenheim II war es die Premiere. Vom ersten Ball an war ihnen die große Nervosität anzumerken und ein Sieg war am ersten Vorrundentag für sie im Anbetracht der schweren Gegner nicht drin, auch wenn sie immer wieder aufopferungsvoll kämpften und sich steigerten. Ärgerlich aus Sicht der Hoffenheimer war vor allem der Verlauf des Spiels gegen HSV Medizin Magdeburg, bei dem das Team um Spielführer Volker Lauble auf Augenhöhe gespielt, dann aber knapp verloren hatte.

In der Gruppe B trafen mit SCC Berlin II, dem Deutsche Vize-Meister 2017 Dresdner SC 1898, TSV Bayer 04 Leverkusen II, der Rheinland-Pfalz-Auswahl (RLP) und Anpfiff Hoffenheim I fünf Teams aufeinander, die alle das Ziel hatten, einen der beiden ersten Plätze in dieser Vorrundengruppe zu ergattern. Die Kraichgauer machten das Turnier gleich zu Beginn spannend. Nach Verlust des ersten Satzes und dem souveränen Gewinn des Zweiten ging es gegen die Leverkusener in den Tie-Break, den sie aber sicher für sich entscheiden konnten. Ebenso klar dann der 2:0-Sieg gegen Berlin II. – Drei Teams kämpften nun um die beiden ersten Vorrundenplätze! Auch wenn die Hoffenheimer Spieler um den stark agierenden Kapitän Claus Ellinger zeigten, dass sie sich spielerisch in den letzten Monaten enorm verbessert hatten, so konnten sie weder gegen die Nationalspieler aus Dresden noch gegen die der RLP-Auswahl mit Punkten aus der Partie gehen.

Der zweite Turniertag am Sonntag startete für Hoffenheim I unerwartet holprig. Sie kassierten eine äußerst knappe 13:15-Niederlage gegen HSV Medizin Magdeburg. Im zweiten Spiel des Finaltages kam es dann zum Aufeinandertreffen der beiden Teams, Hoffenheim I und II. Von jedem Druck befreit, zeigte vor allem „Hoffe II“, dass auch sie spielerisch schon viel weiter waren, als am Vorrundentag. Beide Sätze gingen zwar an Hoffenheim I, doch in beiden Sätzen war die Zweitvertretung bis kurz vor Satzende fast immer punktgleich. Dass sie bei ihrer ersten großen Turnierteilnahme schnell gelernt hatten, bewies „Hoffe II“ im Spiel gegen SCC Berlin II. Jetzt zeigten sie ihre beste Turnierleistung, kämpften um jeden Punkt, gewannen Satz 2 und mussten sich erst im Tie-Break geschlagen geben.

Wie bereits angedeutet, verlief das Spiel um Platz 5 dramatisch. Hoffenheim I trat gegen Angstgegner BV Leipzig an. Nach spannenden und hart umkämpften Sätzen musste der Tie-Break die Entscheidung bringen. Nochmals brauchten Spieler und Zuschauer große Nervenstärke. Die Kraichgauer kratzten noch einmal ihre letzten Körner zusammen und entschieden diesen mit 17:15 für sich. Die Freude war riesig, immerhin war dies eine Premiere. Doch die einstweilige Freude schlug kurze Zeit später in leichte Enttäuschung um. Da sie nun punktgleich mit dem BV Leipzig waren, war die Punktedifferenz aus den gesamten Sätzen entscheidend. Etwas unglücklich, mit insgesamt drei Satzpunkten weniger, konnte Anpfiff Hoffenheim I den angestrebten 5.Platz nicht erreichen und wurde hinter Leipzig Sechster.

Dass für die Hoffenheimer Sitzvolleyballer für die Spitze noch etwas Luft nach oben war, zeigten dann die Halbfinal- und Finalspiele. Das grandiose Finale war von Dramatik, Kampfgeist und vor allem Sport auf höchstem Spielniveau geprägt. Der TSV Bayer 04 Leverkusen I wollte seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen und die Auswahl aus Rheinland-Pfalz war zum ersten Mal Finalteilnehmer. Auch hier sollte wieder der Tie-Break über den diesjährigen Sieger im Sitzvolleyballturnier entscheiden.

Der TSV Bayer 04 Leverkusen I bewies letztendlich einmal mehr seine Vormachtstellung und gewann zum 25. Mal den Titel bei einer Deutschen Meisterschaft im Sitzvolleyball.

In Berlin mit vor Ort war auch Stefanie Wild aus dem Vorstand von Anpfiff Hoffenheim e.V. Für sie war wichtig, ihre Schützlinge lautstark vom Feldrand zu unterstützen. Am Ende war sie vor allem beeindruckt von der „tollen Atmosphäre, den umkämpften Spielen und den klasse Leistungen“, die beide Hoffenheimer Mannschaften im Turnierverlauf gezeigt hatten. Schon die Tatsache, dass Anpfiff Hoffenheim dieses Mal zwei Teams zu den Deutschen Meisterschaften habe schicken können, freut Wild als Vorstandsmitglied von Anpfiff Hoffenheim natürlich besonders. So zeigt sich eben auch, welch beeindruckende Entwicklung die Sitzvolleyballer national genommen haben und welchen Effekt die integrative Bewegungsförderung von Menschen mit und ohne körperliche Behinderung am Standort Hoffenheim hat.

Auch die Spieler von Anpfiff Hoffenheim I und II konnten letztendlich zufrieden mit ihren Leistungen und den Platzierungen im nationalen Vergleich sein. Nicht nur, dass sie neben Leverkusen die meisten Spieler mitgebracht und eingesetzt hatten, man konnte zudem im Vergleich mit den Top-Teams erkennen, wie das regelmäßige Training der Spielerinnen und Spieler durchaus zu sichtbaren Leistungssteigerungen bei allen geführt hatte. In jedem Fall waren alle um eine großartige Erfahrung reicher. Dem pflichtete auch der Hoffenheimer Trainer, Rudi Sonnenbichler, voll und ganz bei: „Nicht die sportlichen Platzierungen stehen im Vordergrund, sondern das Zusammenfinden von Menschen mit und ohne körperlichem Handicap“. Auch bei dieser Wettbewerbserfahrung, so Sonnenbichler, „ist es toll zu erleben, welche integrative Kraft der Sport hat und wie sehr er dazu beiträgt, Vorurteile und falsche Einschätzungen abzubauen“. Die Leistungen der „Anpfiff“-Sitzvolleyballer zeigen letztendlich, auf welchem eindrücklichen Wege sie sich seit Jahren befinden. Auch daher „haben wir die Hoffnung, noch mehr Menschen für diesen Sport zu begeistern“, äußert sich der Trainer hoffnungsvoll.

Endplatzierungen:

  1. TSV Bayer 04 Leverkusen I
  2. Auswahl Rheinland-Pfalz
  3. Dresdner SC 1898
  4. SCC Berlin I
  5. BV Leipzig
  6. Anpfiff Hoffenheim I
  7. HSV Medizin Magdeburg
  8. TSV Bayer 04 Leverkusen II
  9. SCC Berlin II
  10. Anpfiff Hoffenheim II

Für Anpfiff Hoffenheim spielten: Alex Rahm, Sabrina Neu, Volker Lauble, Peter Edinger, Michaela Nezzer, Wael Alfares, Uwe Arndt, Claus Ellinger, Mojgan Faraji, Steffen Maier, Fabian Coenen, Cédric Demay und Salome Hermann.

Text und Foto: Salome Hermann

Mehr Informationen finden sie unter: http://www.anpfiff-hoffenheim.de/

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