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Blindenfußball-EM in Berlin: Im Sechsmeterschießen die WM verpasst

28.08.2017 von Eva Klavzar

Deutschland verliert das Spiel um Platz fünf gegen die Türkei, die sich damit das letzte Ticket für die Weltmeisterschaft 2018 sichert – Russland bezwingt Spanien im Finale, England wird Dritter

Blindenfußball-EM in Berlin: Im Sechsmeterschießen die WM verpasst

Die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft hat das Spiel um Platz fünf verloren und damit die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 in Madrid verpasst. Erst im Sechsmeterschießen musste sich das Team von Cheftrainer Ulrich Pfisterer gegen den Europameister von 2015 bei der Heim-EM in Berlin geschlagen geben. Den Titel geholt hat Russland, das sich in einem spannenden Finale ebenfalls vom Punkt aus gegen Spanien durchsetzte. Dritter wurde England nach einem 2:0-Sieg gegen Frankreich.

Kleinigkeiten könnten den Ausschlag über Sieg oder Niederlage geben, hatte Cheftrainer Pfisterer vor dem Turnier gesagt – und damit Recht behalten. Konnten die Deutschen die Duelle gegen die starken Nationen spielerisch ausgeglichen gestalten, wurde letztlich das Verteidigen und Verwerten von Standards sowie vor allem das Verwandeln von Strafstößen zum Verhängnis. So mussten sich die Gastgeber in der Arena am Anhalter Bahnhof auch gegen die Türkei erst nach Sechsmeterschießen geschlagen geben, nachdem die Partie zuvor torlos geblieben war. Mit Mulgheta Russom und Rasmus Narjes scheiterten zwei von drei deutschen Schützen, auch im Turnierverlauf hatten die Deutschen bereits Probleme gehabt, den Ball vom Punkt aus im Tor der Gegner unterzubringen.

„Natürlich ist die Mannschaft nach dem großen Aufwand in der Vorbereitung erstmal enttäuscht“, räumt Ulrich Pfisterer ein, fügt aber direkt hinzu: „Trotz der verpassten WM-Qualifikation habe ich sehr gute Ansätze gesehen, die mich positiv für die Zukunft stimmen. Von der Leistungsstärke waren wir voll dabei, da brauchten wir uns nicht verstecken vor den fünf Mannschaften, die am Ende vor uns gelandet sind.“ Seine Jungs hätten sich kämpferisch und taktisch sehr gut präsentiert und könnten mit dem Turnier absolut zufrieden sein, sagt der Cheftrainer. „Wir lassen ganz sicher nicht die Köpfe hängen. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung, das haben wir in den vielen engen Spielen gegen die Spitzenteams eindeutig gemerkt. In manchen Situationen fehlte uns leider auch mal das Quäntchen Glück.“

Das Fernziel Tokio 2020 ist von der Nicht-Teilnahme an der WM im kommenden Jahr nicht betroffen. Um bei den Paralympics in drei Jahren dabei zu sein, muss Deutschland bei der EM 2019 ins Finale, da nur zwei Teams aus Europa bei den Spielen dabei sein können. „Das wird natürlich keine einfache Aufgabe, doch wir haben eine junge Mannschaft, die sich noch weiter entwickeln wird“, betont Pfisterer. So bekamen etwa die erst 17-jährigen Rasmus Narjes und Jonathan Tönsing viele Einsatzminuten und auch Taime Kuttig oder Alican Pektas sind erst 25 bzw. 24. Pfisterer: „Wir werden weiter an uns arbeiten und uns verbessern – auch ohne die WM 2018 zu spielen. Ich sehe keinen Anlass, unseren guten Weg schlechtzureden.“

Das Finale entschied Russland mit 5:4 im Sechsmeterschießen gegen Spanien für sich, nach regulärer Spielzeit hatte es 1:1 gestanden. Zuvor hatte England das Duell gegen Frankreich um Platz drei souverän mit 2:0 gewonnen. Erfreulich: Über 2000 Zuschauer fieberten beim 27. und letzten Spiel dieser Europameisterschaft mitten in Berlin mit – das bedeutete eine nahezu volle Arena zum Abschluss eines tollen Turniers. „Das war absolut Werbung für den Blindenfußball. Ein großes Lob an die Veranstalter und vielen Helfer, die die EM wirklich hervorragend organisiert haben. Dieses Turnier wird schwer zu toppen sein, es hat alles gepasst“, sagt Pfisterer.

Viele Zuschauer pilgerten in die schmucke Arena am Anhalter Bahnhof und überzeugten sich ebenso von einem beeindruckenden Sport wie ein Millionenpublikum über den Livestream. „Das Turnier wurde total gut angenommen und hat die Leute spürbar mitgerissen und begeistert. Wir haben in den Tagen in Berlin viel Aufmerksamkeit bekommen, das ist sehr erfreulich“, erklärt Pfisterer und ergänzt: „Dazu haben auch unsere Jungs mit ihrer Leistung beigetragen.“

(Quelle: DBS)

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